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FUJINON XC15-45mm F3.5-5.6 OIS PZ – der kleine Powerzwerg von Fujifilm

In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen mit dem kleinsten und leichtesten Zoom-Objektiv für die Fujifilm X-Serie mit euch teilen. Das FUJINON XC15-45mm F3.5-5.6 ist ein echter Powerzwerg und offenbart ungeahnte Stärken aber auch ein paar Schwächen. Ob es sich trotzdem lohnt, dieses Objektiv in der Fototasche dabei zu haben, verrate ich euch in diesem Blog-Beitrag.
FUJINON XC15-45mm F3.5-5.6 OIS PZ - Ansicht von vorne-5.6 OIS PZ

In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen mit dem kleinsten und leichtesten Zoom-Objektiv für die Fujifilm X-Serie mit euch teilen. Das FUJINON XC15-45mm F3.5-5.6 ist ein echter Powerzwerg und offenbart ungeahnte Stärken aber auch ein paar Schwächen. Ob es sich trotzdem lohnt, dieses Objektiv in der Fototasche dabei zu haben, verrate ich euch in diesem Blog-Beitrag. Um es direkt klar zu machen: dieser Artikel ist von niemandem gesponsert, er gibt meine ganz persönliche Meinung zu diesem Objektiv wieder und ist auch kein wissenschaftlicher Testbericht.

Plastik so weit das Auge reicht

Ganz klare Sache, ein Wunder an Verarbeitungsqualität ist das XC15-45 nicht und uns erwartet auch keine Ansammlung hochwertigen Aluminiums oder anderer Leichtmetalle. Die einzigen Metallteile an diesem Objektiv sind vermutlich die Kabel und Leiterbahnen im Inneren. Ansonsten haben wir 135g Kunststoff in der Hand. Sowohl der Objektivtubus als auch das Bajonett sind aus Kunststoff gefertigt. Freunde großartiger Haptik und Verarbeitungsqualität – von denen auch ich einer bin – kommen bei diesem Objektiv also nicht so sehr auf ihre Kosten wie bei anderen Objektiven aus dem Hause Fujifilm. Aber dafür hat dieses Objektiv andere Stärken, die im fotografischen Endergebnis sicher wichtiger sind. Und ich muss zur Ehrenrettung von Fujifilm auch sagen, dass ich in der Vergangenheit schon Objektive anderer Hersteller in der Hand hatte, die sich deutlich schlechter anfühlten als das XC15-45. Irgendwo muss der günstige Preis eben her kommen. Da dürfen wir uns nichts vormachen. Hergestellt wird das Objektiv dementsprechend auch nicht in Japan, sondern auf den Philippinen, wie uns der kleine Aufkleber mit der Seriennummer verrät.

Hier habe ich euch ein paar Fotos zusammengestellt, die das XC15-45 unter anderem an einer Fujifilm X-T3 zeigen.

Elektro-Zoom - musste das sein?

Bevor wir aber zu den echten Stärken des Objektivs kommen, schauen wir uns mal ganz nüchtern an, was wir hier an Ausstattung bekommen. Das FUJINON XC15-45mm ist mit der Lichtstärke von 3.5 im Weitwinkel bis 5.6 im leichten Telebereich recht lichtschwach. Als Ausgleich für Aufnahmen aus der Hand bekommen wir einen eingebauten Bildstabilisator (OIS), der nicht ganz so effektiv arbeitet wie in anderen Fujifilm Objektiven, aber immerhin 3 Blendenstufen längere Belichtungszeiten ermöglichen soll. Und der Stabilisator arbeitet auch wirklich gut und zuverlässig. Schön wäre, wenn man ihn wie bei anderen Fujinon Objektiven über einen Schalter am Objektiv deaktivieren könnte, aber das geht nur über das Kameramenü. Genauso wie die Blende, die sich im Gegensatz zu den meisten anderen Fujifilm Objektiven nicht am Objektiv selbst, sondern nur über die Drehräder an der Kamera einstellen lässt. Daran kann man sich aber gewöhnen.

Im Gegensatz zum unsäglichen Powerzoom. Dafür steht das Kürzel PZ in der Objektivbezeichnung. Powerzoom bedeutet in diesem Fall, dass wir die Brennweite des Objektivs nicht manuell verstellen, sondern der Ring zur Brennweiteneinstellung einen Elektromotor anspricht, der dann für die entsprechende Verstellung der Linsenelemente sorgt. Das fände ich an sich noch nicht schlimm, wenn das bei einigen Kameragehäusen von Fujifilm nicht einen gewissen Nervfaktor mit sich brächte.
Ausgerechnet bei den teureren Kamerbodies wie einer X-T3, X-T30 – und soweit ich weiß auch der X-T4 und ähnlich hochwertigen Gehäusen – offenbart der Powerzoom zwei nervige Angewohnheiten. Wenn man in die Bildwiedergabe wechselt, fährt der Powerzoom immer erst wieder in die Ausgangsposition zurück, bevor die Bilder angezeigt werden. Die dafür benötigte Gedenksekunde wäre noch zu verschmerzen. So richtig nervt, dass das Objektiv nicht wieder in die zuvor eingestellte Brennweite zurückfährt, wenn man wieder in den Aufnahmemodus wechselt. Stattdessen landet man dann immer wieder bei 15mm. Blöd, wenn man ein Bild mit der gleichen Brennweite noch einmal wiederholen möchte. Insbesondere, weil man bei den meisten Kamerabodies im Display auch keinen konkreten Anhaltspunkt für die gerade eingestellte Brennweite bekommt und das Objektiv selbst darüber leider auch keinen Aufschluss gibt. Es bleibt also nur das Erahnen, ob man nun ungefähr wieder die gleiche Brennweite gefunden hat, wie vor dem Ausflug in die Bildwiedergabe.
Vielleicht fährt das XC15-45 ja so gerne wieder auf 15mm zurück, weil es da so eine gute Abbildungsleistung zeigt? Dazu aber später mehr. Auf jeden Fall könnte Fuji hier sicherlich per Firmware-Update für etwas Optimierung sorgen. Zumal das beschriebene Verhalten im Zusammenspiel mit günstigeren Kameragehäusen wie einer X-T200 besser gelöst ist. Aber vielleicht sieht Fujifilm das XC15-45 nicht im Besitz von Käufern der teureren Kamerabodies und spart sich daher eine Optimierung an der Stelle?

Der Powerzoom sorgt auch dafür, dass der Objektivtubus zunächst eingefahren und das Objektiv damit sehr kompakt ist und erst beim Einschalten der Kamera ausfährt. Das finde ich eine angenehme Seite des Powerzooms, da wir dadurch auf Reisen ein sehr kompaktes Objektiv bekommen, das auch an der Kamera durchaus gut und stimmig aussieht.

Überraschend gutes Weitwinkel(zoom)

Bis hier hin, hört sich das ja doch alles recht ernüchternd an und wenig nach einem Objektiv, das unsere Fotoausrüstung wirklich bereichern könnte. Der kleine Power(zoom)zwerg hat aber auch überraschende Seiten zu bieten.

Allem voran wäre da die Anfangsbrennweite von 15mm zu nennen. Das ist immerhin noch ein kleines Stück weiter als die deutlich teureren XF16-55, XF16-80 und auch weiter als das legendäre XF18-55. Mit 45mm am langen Ende ist der Brennweitenbereich zwar nicht überragend lang, aber ausreichend für viele Situationen. Der Unterschied zwischen 45mm und 55mm am langen Ende ist dann doch nicht so gravierend, wie es auf den ersten Blick scheint.

Ein weiteres Highlight ist die sehr geringe Naheinstellgrenze von gerade mal 13cm im Weitwinkel. Das führt zu einem Vergrößerungsfaktor von immerhin 0,24. Das ist im Vergleich mit vielen anderen Nicht-Makroobjektiven schon sehr gut und macht richtig Spaß. Dass das Objektiv die höchste Vergrößerung im Weitwinkel schafft ist zunächst ungewohnt, macht aber beim Fotografieren extrem viel Spaß. Damit lassen sich besonders spannende Perspektiven realisieren. Bei 45mm ist die Naheinstellgrenze dafür mit 35cm eher im Bereich des Gewohnten. 

Das wirklich Unerwartete ist die Abbildungsqualität dieses Objektivs im Weitwinkel. Bei 15mm zeigt das Objektiv eine hervorragende Schärfeleistung, die sich aus meiner Sicht vor vielen Weitwinkel-Festbrennweiten nicht verstecken muss. Ich mache hier wie gesagt keine wissenschaftlichen Testaufnahmen, aber laut der Website lenstip.com liegt die Auflösung bei 15mm in der Bildmitte bei fast sagenhaften 80 Linienpaaren pro Milimeter. Das ist wirklich eine hervorragende Leistung und weit über dem, was man bei einem Kitobjektiv erwarten würde.

Wo Licht ist, ist auch Schatten und so wird die Schärfeleistung des Objektivs bei längeren Brennweiten leider zunehmend schlechter. Am schlechtesten dann bei 45mm. Im direkten Vergleich mit anderen Objektiven ist das auch sichtbar. Die Bilder, die ich bei 45mm mit diesem Objektiv gemacht habe, sind für mich aber immer noch einwandfrei verwendbar. Natürlich würde ich damit nun kein High End Produktfoto anfertigen wollen. Aber z.B. für den Einsatz auf der Straße sind die Ergebnisse absolut in Ordnung.

Genau hier spielt das Objektiv seine Stärken aus. Es ist eben kompakt und leicht und man ist damit super mobil. Es macht richtig Spaß den kleinen Objektivzwerg mit auf Fototour zu nehmen und ohne großes Gepäck einen vielseitigen Brennweitenbereich an der Kamera zu haben, der im Weitwinkel sogar echte Höchstleistungen zeigt.

Beispielbilder

Hier zeige ich euch ein paar Beispielbilder, die ich im mit dem FUJINON XC15-45mm F3.5-5.6 OIS PZ gemacht habe:

Fazit - Viel Spaß für wenig Geld

Den regulären Neupreis für das XC15-45 lassen wir mal getrost im Reich des Theoretischen. Für die rund 300 EUR, die das Objektiv einzeln neu kosten soll, würde ich es definitiv nicht kaufen. Dafür ist das Gesamtpaket einfach nicht wertig genug bzw. gibt es für etwas Aufpreis bessere Alternativen. Zum Glück verscherbelt Fujifilm das XC15-45 aber als Kitobjektiv mit vielen Einsteigerkameras. Dementsprechend ist das XC15-45mm auf dem Gebrauchtmarkt oft deutlich unter 100 EUR zu bekommen. Und zwar so gut wie neu. Und dafür ist das Objektiv ein echter Kauftipp. Ein Objektiv mit sehr guten optischen Eigenschaften im Weitwinkel und in Alltagssituationen absolut brauchbar in den langen Brennweiten. Dabei kompakt und dementsprechend perfekt geeignet für die Fototour mit kleinem Gepäck.

 

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