Der Fotografie- und Film-Blog

Peak Design Kameragurte

Die Suche nach dem perfekten Kameragurt kann mitunter sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Vielleicht kommt ihr dem Ziel ein wenig näher, nachdem ihr meinen Erfahrungsbericht mit den Peak Design Kameragurten gelesen habt.

Das wichtigstes vorweg: ich schreibe hier über meine persönlichen Erfahrungen mit einem System für Kameragurte. Ich habe das Produkt aus eigener Tasche bezahlt und dieser Erfahrungsbericht wurde vom Hersteller weder gesponsort noch sonst in irgendeiner Form beeinflusst. Was ich hier schreibe ist meine eigene, ganz persönliche Meinung zu dem Produkt.

Die Suche nach dem perfekten Kameragurt scheint in etwa genauso endlos, wie die Suche nach dem perfekten Kamerarucksack. Es gibt so viele verschiedene Systeme und Designs und häufig denkt man DEN einen richtigen gefunden zu haben, bis man dann in der regelmäßigen Nutzung eben doch die Nachteile des Auserwählten bemerkt.

So haben mich auf meinem bisherigen fotografischen Weg auch schon so einige Kameragurte begleitet – und auch wieder verlassen. Ich wollte immer einen Gurt, der mit verschiedene Tragemöglichkeiten bietet – auf der Schulter, quer über den Körper oder tatsächlich auch mal um den Hals. Und einen, den ich einfach von der Kamera entfernen kann, wenn er mir mal im Weg ist – z.B. auf einem Stativ oder bei der Arbeit im Fotostudio oder on Location, wenn man die Kamera eh fast immer in der Hand hat. Außerdem nutze ich zwei Kameras und wollte den Gurt auch schnell und einfach von einer Kamera auf die andere wechseln. Auch das Gewicht des zu tragenden Systems variiert stark. Mal nur der Kamerabody mit einer leichten 35mm Festbrennweite, dann aber auch wieder mal den Kamerbody mit Akkugriff und schwerem 100-400mm Teleobjektiv. Und im besten Fall sollte der Gurt auch noch gut aussehen.

Der Originalgurt vom Kamerahersteller war schnell aus dem Rennen. Haptisch meist nicht gut, das Aussehen meistens auch nicht besonders toll und außerdem muss ich nicht aller Welt in großen Lettern auf dem Gurt zeigen, welcher Kameramarke ich mein Geld in den Rachen schiebe – und dann mit dem Gurt auch noch kostenlos dafür Werbung laufen.

Ich war lange mit einem Sunsniper von California Sunbounce unterwegs und finde das Prinzip dieses Gurts auch nach wie vor gut. Aber ich wollte die Kamera nicht immer quer über den Körper tragen und oft war mir der Sunsniper auch zu starr im Schulterpolster. Dass die Kamera nur am Stativgewinde hing und doch relativ stark rumbaumelt, war mir auf Dauer auch nicht ganz geheuer. Und für einen kurzen fotografischen Ausflug nur mit einem Body und kleiner, leichter Festbrennweite trug mir der Sunsniper zu dick auf.

Dann gibt es da noch diese edlen Ledergurte…sehr schick…. Feinstes Elchleder aus Skandinavien wird in Deutschland handvernäht…ich war begeistert und obwohl es im Portemonnaie richtig weh tat, zog bald schon der erste Elchledergurt von Eddycam bei uns ein. Ich muss sagen, ich habe noch nie einen haptisch und optisch so ansprechenden Gurt in der Hand und vor Augen gehabt und ich habe ihn geliebt. Ich ziehe wirklich meinen Hut vor der Firma Eddycam, denn Sie haben hier wirklich ein äußerst feines Produkt auf den Markt gebracht – zumindest wenn man nicht Veganer ist.

Aber der Eddycam war mir irgendwie nicht flexibel genug und man kann ihn zwar bei bedarf quer über den Körper tragen, aber wenn ich z.B. eine Teleobjektiv an der Kamera habe, dann habe ich ein besseres Gefühl, wenn der Gurt direkt am Objektiv angebracht ist und nicht das ganze Gewicht nur über das Kamerabajonett mit dem Gurt verbunden ist. Vielleicht ist das auch Quatsch, aber für mein Gefühl hab ich lieber das schwere Objektiv am Gurt hängen, statt der Kamera.

Als ich auf meiner Suche nach dem für mich perfekten Kameragurt schon fast aufgegeben hatte, landete ich bei der Firma Peak Design aus San Francisco. Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Kamerarucksack, aber dazu ein anderes Mal mehr.
Peter Dering, der Gründer von Peak Design und seine gesamte Truppe haben aus meiner Sicht eine wirklich kluge und technisch gute Lösung gefunden, um Kameragurte schnell und einfach von einer Kamera auf eine andere wechseln zu können und auch verschiedenste Trageweisen zu ermöglichen.

Das Prinzip ist so simpel wie genial. Peak Design nutzt sogenannte Anchor Links oder Anchor Connectors – also Ankerpunkte. Dabei handelt es sich um kleine, schwarz-rote runde Kunststoffteile mit einer Schlaufe aus besonders widerstandsfähigem Material. Mit dieser Schlaufe bringt man die Ankerpunkte an den Stellen an, an denen der Gurt mit der Kamera verbunden werden soll. Im Zweifelsfall also erstmal an den üblichen Haltepunkten für den Kameragurt. An den Enden der Peak Design Gurte befinden sich die entsprechenden Gegenstücke in die diese Ankerpunkte eingeklipst und mit einer Feder gehalten werden. Um den Gurt wieder zu entfernen, drückt man einfach den Ankerpunkt gegen die Feder und kann ihn so wieder aus der Verankerung schieben. Der Ankerpunkt selbst bleibst an der Kamera, stört dort aber auch nicht großartig, weil er eben so klein, leicht und flexibel ist.

Peak Design Anchor Link an der Kamera
Peak Design Leash Kameragurt in den Anchor Link eingeklipst

Genauso kann man dann einen solchen Ankerpunkt auch an der Stativschelle von einem Teleobjektiv anbringen und den Gurt dann z.B. an einem Ende an der Kamera und am anderen Ende am Objektiv befestigen – und schon haben wir eine Art Sunsniper-Trageweise. Dazu wird von Peak Design zusammen mit dem Gurt auch direkt eine entsprechende Ankerplatte mitgeliefert, die mit Hilfe einer Schraube an der Stativschelle befestigt und darin dann der Ankerpunkt eingehängt wird.

Peak Design Anchor Point am Teleobjektiv
Peak Design Slide Lite am Teleobjektiv

Zur Flexibilität trägt auch noch das Design der Peak Design Gurte bei. Es gibt sie in drei verschiedenen Breiten – als Slide (der breiteste), Slide Lite (die goldene Mitte) und Leash (als schmalste Variante). Alle haben gemeinsam, dass sie einen sehr ergonomischen Mechanismus zur Verstellung der Länge haben. An der Längenverstellung ist eine Art Bügel bzw. beim Leash ein Riemen angebracht, mit dem man durch ganz einfachen, leichten Zug nach oben oder unten, die Länge des Gurtes direkt am Körper verstellen kann.

Peak Design Leash und Slide Lite mit Längenverstellung

Wenn man den Gurt also z.B. über Kreuz am Körper trägt und daher recht lang eingestellt hat, kann man ganz schnell auf eine Trageweise auf der Schulter wechseln und die Länge des Gurtes dafür mit einem schnellen Zug verändern. Genauso schnell geht die Verstellung z.B. vonstatten wenn man mal eine Jacke anhat und daher den Gurt etwas länger braucht, aber im nächsten Moment die Jacke auszieht und den Gurt dann kürzen möchte.

Die Gurte gibt es im Moment wie gesagt in drei Breiten: der Slide eignet sich am besten für schwere DSLR System, der Slide Lite für etwas leichtere Systeme und der Leash für leichte System- oder Kompaktkameras. Außerdem gibt es zwei Farbvarianten: ganz klassisch in schwarz und in einem Grauton – von Peak Design als Ash bezeichnet – mit Lederapplikationen.

Ich selbst habe im Moment einen Slide Lite im Einsatz, wenn ich mit schwereren Teleobjektiven an der Systemkamera unterwegs bin und einen Leash, wenn ich nur eine leichte Festbrennweite an der Kamera habe.

Aber damit nicht genug. Die Kollegen von Peak Design sind auch so schlau, dass Sie die Ankerpunkte und Anker-Gegenstücke nicht nur mit ihren eigenen Gurten verkaufen. Nein, man kann sich so ein Set auch als Zubehör kaufen und damit jeden beliebigen handelsüblichen Gurt zu einem Peak Design kompatiblen Gurt umbauen – also z.B. auch einen Eddycam Gurt oder welche edlen Ausgehgurte für den Sonntagnachmittagsspaziergang man sonst noch so im Regal liegen hat. Zugegebenermaßen funktioniert dann die schnelle Längenverstellung von den Peak Design eigenen Gurten nicht mehr, aber man kann eben nicht alles haben. Hier mal als Beispiel ein Gurt von Artisan & Artists mit Peak Design Ankerpunkten versehen:

Artisan & Artist Kameragurt mit Peak Design Anchor Links

Als Zubehör kann man sich auch noch eine Schnellwechselplatte kaufen, die ebenfalls Ösen für die Ankerpunkte bietet. Diese gibt es als Arca Swiss kompatible Variante (Standard Plate genannt) und als kombinierte Arca Swiss und Manfrotto kompatible Variante (Dual Plate genannt). Damit kann man z.B. ein Teleobjektiv weiterhin mit der Stativschelle auf Stativen befestigen und hat gleichzeitig eine Befestigungsmöglichkeit für den Peak Design Gurt.

Peak Design Standard Plate an der Stativschelle eines Teleobjektivs

Der Faden der Schlaufe, mit der die Ankerpunkte an der Kamera oder Stativplatten angebracht werden, sehen zugegebenermaßen im ersten Moment ein bisschen filigran aus und erst hatte ich auch so meine Bedenken damit. Aber die Teile sind wirklich super robust. Peak Design selbst gibt eine maximale Belastung von 90kg an – das sollte wohl für die meisten Kamera-Objektiv-Kombination ausreichend sein. 🙂 Außerdem haben die Schlaufen eine Art Frühwarnsystem eingebaut. Wenn sie an einer Stelle aufscheuern sollten, kommt ein roter Innenteil zum Vorschein. Wenn man also am Faden rot sieht, sollte man den Ankerpunkt austauschen. Das kam bei mir bisher aber noch nicht vor. Ich bin immer noch mit dem originalen Set Ankerpunkte unterwegs und hab diese nun schon seit über einem Jahr in intensivem Einsatz.

Das war jetzt ziemlich viel des Lobes für einen Hersteller. Normalerweise bin ich mit sowas sehr zurückhaltend. Ihr könnt euch sicher sein, dass ich so voll des Lobes für einen Hersteller nur dann spreche, wenn ich auch selbst wirklich aus eigener Erfahrung voll von dessen Produkt überzeugt bin.

Wenn ihr also einen wirklich vielseitigen Kameragurt sucht, der auch noch recht gut aussieht, dann schaut euch doch mal die Gurte von Peak Design auf deren Website an. Zugegebenermaßen sind auch diese Gurte nicht gerade ein Schnäppchen, aber aus meiner Erfahrung heraus wirklich jeden Cent wert, zumal man sie auch wirklich lange nutzen wird.

Wenn ihr noch andere Tipps für gute Kameragurte habt oder eure eigenen Erfahrungen mit den Peak Design Gurten oder anderen Gurten teilen wollt, dann schreibt doch einfach unten in die Kommentare.

2 Antworten

  1. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ich hatte tatsächlich auch einen Sunsniper im Einsatz weil mir die Robustheit gut gefallen hat. Ärgerlich fand ich das wandern der Polsterung vom Hals weg in den Rücken und habe mich dann an der H1 für Peak Design entschieden. Ich habe das nie bereut und bin begeistert den Gurt auf dem Stativ oder wenn er stört ruckzuck zu entfernen.

    1. Hallo Ingo,
      freut mich zu hören, dass du auch so gute Erfahrungen mit dem Peak Design gemacht hast.
      Herzliche Grüße
      Jürgen

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