Negative digitalisieren – Teil 1

Wie einige von euch vielleicht durch den einen oder anderen Instagram oder Facebook Beitrag mitbekommen haben, gehe ich hin und wieder auch der analogen Fotografie nach. Back to the roots also – das erdet auch irgendwie in der schnellen digitale Welt. Aber ich will heute gar keinen philosophischen Beitrag über die analoge Fotografie schreiben – das vielleicht ein anderes Mal.

Heute soll es um ein ganz praktisches Thema gehen: was mache ich mit dem entwickelten Filmnegativ, wenn ich digital damit weiterarbeiten möchte? Ganz egal ob ihr euren belichteten Film selbst entwickelt oder durch ein Fotolabor bzw. die vorgeschaltete einschlägige Drogeriemarktkette entwickeln lasst – irgendwann soll das entwickelte Negativ in den Rechner.

Dafür gibt es im Grunde genommen zwei Möglichkeiten: scannen oder abfotografieren. Im heutigen Beitrag gucken wir uns eine Möglichkeit zum Scannen an. In einem der nächsten Beiträge zeige ich euch dann noch eine Möglichkeit ohne Scanner.

Das Besondere beim Digitalisieren von Negativen ist, dass das Negativ von hinten durchleuchtet werden muss, um ein verwertbares Ergebnis zu bekommen. Dafür gibt es spezielle Scanner mit einer sogenannten Durchlichteinheit. Bei diesen Scannern sitzt sozusagen gegenüber der Scannerkamera eine Lampe und während die Scannerkamera das Bild abtastet und einscannt, wird es von der gegenüberliegenden Seite von der Lampe durchleuchtet.
Leider sind solche Scanner mit Durchlichteinheit nicht sonderlich günstig, es sei denn man erwischt ein gutes Angebot auf bekannten Online-Auktionsplattformen.

Deswegen schauen wir uns heute eine günstige Do it yourself Lösung an. Das wichtigste Zubehör dafür ist ein handelsüblicher Flachbettscanner. Den haben haben vielleicht einige von euch eh schon zuhause. Und dann brauchen wir noch eine Möglichkeit, wie wir das Negativ während des Scanvorgangs von hinten durchleuchten können. An der Stelle können wir uns zu Nutze machen, dass es inzwischen im Foto- und Videozubehör relativ günstige LED Panels als Dauerlichtlösung zum Fotografieren und Filmen gibt. Wer technisch begabt ist, kann sich so ein LED Panel natürlich auch selbst bauen. Hab ich auch schon bei Kollegen gesehen. Mir war das zu aufwändig bzw. hatte ich die LED Panels eh schon hier herum liegen. Hilfreich ist es, wenn die Lichtstärke des Panels flexibel einstellbar ist. Als Alternative kann man übrigens auch mit einem Handy oder einem Tablet experimentieren, bei dem man eine weiße Seite aufruft und es dann genauso verwendet, wie ich es unten mit dem LED Panel beschreibe. Aber Achtung: bei meinem Versuch mit einem Tablet waren hinterher im gescannten Bild die LED-Zeilen des Tablets sichtbar.

Als weitere Zutaten nutze ich noch eine Plexiglasscheibe, die ich aus einem IKEA Bilderrahmen genommen habe und zwei Bauklötze. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr gleich.

Los geht’s. Man lege das Negativ mit der glänzenden Seite nach oben auf die Scheibe des Scanners. Damit das Negativ schön plan auf dem Scannerglas liegt, lege ich die Plexiglasscheibe aus dem IKEA Rahmen darauf. Dann platziere ich die beiden Bauklötze rechts und links auf dem Negativstreifen, so dass ich im nächsten Schritt das LED Panel darauf legen kann.

Der Grund für die Bauklötze ist, dass das LED Panel ggf. sogar auf der niedrigsten Stufe zu hell ist, wenn es direkt auf dem Negativstreifen liegt. Durch den Abstand, den man über die Bauklötzchen gewinnt, hat man hier schon mal ein bisschen „Luft“. Was die eingestellte Lichtstärke am Panel und den Abstand angeht, müsst ihr selbst ein bisschen experimentieren. Das kann je nach Scanner und Negativ unterschiedlich sein. In diesem Fall kommt einem zugute, wenn man ein LED Panel mit einstellbarer Lichtstärke hat.

Und dann kann es auch schon losgehen mit dem ersten Probescan. Die meisten Scanner bieten einen sogenannten Vorschauscan. Mit dem kann man schon sehr gut die erforderliche Lichtstärke der Gegenlichteinheit bzw. dessen Abstand zum Negativ herausfinden.
Für den eigentlichen Scan habe ich in der Scannersoftware die höchste Scanqualität (bei meinem Scanner sind das leider nur  1200 dpi) eingestellt, als Speicherformat tiff gewählt und alle automatischen Korrekturen, wie Kratzerentfernung, Kontrast, Helligkeit, etc. ausgeschaltet bzw. auf dem Standardwert belassen. Diese Dinge passe ich alle hinterher in der Bildbearbeitung an. Bei den meisten Scannern kann man vor dem Scan auch den genauen Scanbereich festlegen indem man nach dem Vorschauscan mit der Maus einen Rahmen um den zu scannenden Bereich zieht. Dann ist schon mal alles überflüssige drum herum aus dem Bild. Wenn das nicht geht, muss man das Bild eben später in der Nachbearbeitung zuschneiden.

Womit wir auch schon beim nächsten Schritt und bei einem kleinen Stolperstein angekommen sind. Die weitere Bearbeitung des Bildes. Das gescannte Negativ ist nämlich leider weiterhin ein Negativ – d.h. hell u. dunkel sind noch invertiert. Das ist systembedingt so, weil der Scanner ja nicht weiß, dass wir ein Negativ mit Durchlichteinheit scannen. Das sieht dann z.B. so aus:

Ich beschreibe euch einfach kurz, wie ich nun weiter vorgehe und dieses Vorgehen werdet ihr auch an diversen anderen Stellen im Internet wiederfinden. Ich nutze an der Stelle Lightroom. In anderen Programmen ist das Vorgehen aber ähnlich.

Ich importiere das gescannte Negativ in Lightroom. Dann gehe ich in den Entwicklungsmodus und rufe dort die Gradationskurve auf. Es ist wichtig, dass das Icon „Bearbeiten der Punktkurve“ rechts unten im Feld Gradationskurve aktiviert ist.

Nun zieht man den Punkt am linken Ende der Kurve – also den für die dunklen Tonwerte – ganz nach oben und den für die hellen Tonwerte auf der rechten Seite ganz nach unten, so dass die Kurve danach so aussieht:

Damit haben wir die Tonwerte im Bild umgedreht und unser Bild wird nicht mehr als Negativ, sondern als Positiv dargestellt.

Wie man gut erkennen kann, ist das Bild in diesem Fall noch zu hell und zu arm an Kontrasten. Zumindest für meinen Geschmack. Das kann man nun in Lightroom wie gewohnt nach Belieben anpassen. Mit einer Einschränkung bzw. Besonderheit: die Regler für die Tonwerte funktionieren nun genau umgekehrt. Wenn man also z.B. die Helligkeit herunter regeln möchte, muss der Helligkeitsregler nach rechts statt nach links verschoben werden.

Natürlich hat diese Art des Scannens von Negativen ihre Vor- und Nachteile. Vorteil ist, dass ihr unter Umständen mit Equipment auskommt, das ihr eh schon habt und damit weitere Investitionen entfallen. Nachteil ist vor allem, dass die Auflösung von Flachbettscannern für den Büroalltag in der Regel ausreichend ist, aber für das Scannen von Filmnegativen doch eher bescheiden ist. Mein Büroscanner hat wie oben erwähnt nur 1200 dpi. Während ich damit bei einem 6×9 Mittelformat-Negativ noch ganz annehmbare Ergebnisse erziele, wird es bei einem Negativ vom Kleinbildfilm schon grenzwertig.
Der Canon 8800f, der inzwischen auch schon zum alten Eisen gehört, aber von Haus aus auch zum Scannen von Negativen ausgelegt ist, hat eine Auflösung von 4800 dpi – also das 4-fache. Dieser hat die oben erwähnte Durchlichteinheit und ist übrigens auch eine klare Empfehlung von mir, wenn ihr bei Online-Auktionen nach einem günstigen und trotzdem guten Negativscanner Ausschau halten wollt. Achtet aber unbedingt darauf, dass die notwendigen Filmhalter dabei sind, wenn ihr so ein Gerät gebraucht kauft. Die Teile gehen nämlich gerne verloren, wenn der Vorgänger das Gerät eben nur für Bürotätigkeiten aber nicht zum Scannen von Negativen verwendet hat.

Fazit: Wenn ihr eine einfache und schnelle Möglichkeit sucht, zum Spaß ein paar eurer analogen Negative einzuscannen, um sie dann z.B. auf Social Media Plattformen zu posten und ihr eh schon einen Office Flachbettscanner und ein LED Panel o.ä. zuhause habt, dann probiert doch mal die oben beschriebene Methode aus. Wenn ihr eure Negative in großen Mengen und bestmöglicher Qualität langfristig archivieren oder umfassend nachbearbeiten wollt, dann haltet lieber Ausschau nach einem gebrauchten Scanner speziell für Filmnegative oder schaut euch den demnächst erscheinenden zweiten Teil dieses Blogartikels an, in dem ich euch eine weitere Methode zum Digitalisieren von Filmnegativen zeigen werde.

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